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26. Februar 2020
 
Ärzte für die Dritte Welt

Frd. Eberhard Ohl, RC Esslingen-Filder, als Arzt in der Dritten Welt, inmitten einer fröhlichen Kinderschar.

Frd. Eberhard Ohl, RC Esslingen-Filder, in der Casa de la Salud in Caracas
Projektbeschreibung:
Vor 20 Jahren gründete der Frankfurter Jesuitenpater „Bernhard Ehlen“ die Organisation „Ärzte für die 3. Welt“. Heute ist sein Projekt an 7 Orten in der Welt tätig.

Philippinen:      Mindanao, Manila.
Indien:             Kalkutta
Bangladesh:     Dhakka, Chittagong
Afrika:               Nairobi
Südamerika:     Caracas

Die Armut in Venezuela mag nicht so spektakulär sein wie etwa in Indien oder Afrika. Doch auch in diesem Lande leben in den Slumvierteln mehr als 70% unterhalb der Armutsgrenze.


Arbeitsort:
Die Casa de la Salud, das Gesundheitszentrum, in dem die deutschen Ärzte seit 2001 tätig sind, liegt mitten in dem riesigen Slumviertel Catja. Hier leben an die 800.000 Menschen zumeist ohne Arbeit und ohne Hoffnung, und vor allem bislang ohne eine halbwegs bezahlbare Gesundheitsversorgung. Eine von einer Sozialarbeiterin und dem belgischen Salvatorianerpater Miguel Grobben gegründete Bürgerinitiative hatte bereits zuvor dieses Gesundheitszentrum betrieben, das von einem in Venezuela tätigen belgischen Industriellen und der katholischen Kirche gestiftet wurde.
Um das Zentrum erhalten zu können, musste man für alle Behandlungen durch die venezolanischen Ärzte Gebühren nehmen und die Medikamente bezahlen lassen. Damit hatten die Armen keinen Zugang mehr. Das war der Anlaß für Pater Ehlen, hier einzugreifen.


Tätigkeit der Deutschen Ärzte:
Unterstützung des Gemeindezentrums in folgender Form:
1) 2 Allgemeinärzte und 1 Zahnarzt sind im überlappenden 6 – Wochen Einsatz vor Ort. Sie diagnostizieren, behandeln und geben vor allem Medikamente kostenlos ab.
2) In Ausnahmefällen wird ans Krankenhaus oder sonstige Spezialisten überwiesen. Die Kosten dafür werden von den Deutschen Ärzten übernommen.
3) Dies gilt auch für stationäre Aufenthalte. Für Bett und Behandlung, z.B. die Operation,  werden die Kosten vom Staat übernommen. Die Patienten  müssen jedoch Verbrauchsmaterialien, wie Medikamente, Spritzen, Kanülen selbst bezahlen. Auch diese Kosten werden von der deutschen Organisation bezahlt.
4) Beteiligung an sonstigen Projektkosten (z.B. Gehälter der Angestellten, Lehrerinnen).


Krankheiten:
80% sind Kleinkinder. Neben Fieber, Grippe, einfachen Erkältungskrankheiten, Bronchitis, Lungenentzündung, sind vor allem Durchfallerkrankungen, Darmparasiten (z.B. Würmer) zu behandeln.
50% der Kinder sind unterernährt, auch wenn man in Venezuela nicht die echt unterernährten Babies in Afrika sieht. Die meisten Kinder leiden jedoch aufgrund der Fehlernährung an Blutarmut.


Büro
Insgesamt sind die Arbeitsbedingungen sehr angenehm. Ein Drama ist jedoch die Sterilität. Wundversorgungen, kleine operative Eingriffe werden in einem kleinen, sehr dunklen Zimmer ohne richtige Beleuchtung durchgeführt.


Unterscheidung Arm – Reich:
Die Patienten in der Ambulanz sind gemischt. Es gibt die wirklich Armen, aber auch solche, die dies nur vorgeben.
Eine sehr schwierige Tätigkeit ist es für die Arzthelferin an der Patientenannahme dies zu unterscheiden. Die wirklich Armen zahlen nur eine kleine Schutzgebühr. Wenn sie das Geld dafür nicht haben, wird darauf verzichtet.
Ein Problem ist, daß man oft nicht genau weiß, ob die Medikamente, die man den Patienten mitgibt, nicht weiterverkauft werden.


Mitarbeiter:
Arzthelferinnen:    
Junge Frauen, meist verheiratet, 1 oder 2 Kinder. Alle sehr engagiert, froh, etwas Geld verdienen zu können. Sie studieren nebenher für den Beruf einer Grundschullehrerin.
Küchenhilfen:
Mittleren Alters, auch älter, arbeiten meist auf ehrenamtlicher Basis.


Operativos: 
Die Patienten in den außenliegenden Slumbezirken, die nicht zu uns kommen können, werden von uns besucht. Wir fahren mit einem Wagen mit Medikamenten und sämtlichen sonstigen Krankenunterlagen hinaus in die Schule oder Kirche und behandeln dort die Patienten. Auch Hausbesuche bei bettlägerigen Patienten werden durchgeführt. Hierbei lernt man die wirklichen Lebensbedingungen kennen, die z.T. erschreckend sind.


Altentagespflege:
Ca. 40 alte Menschen, Großeltern genannt, werden tagsüber in einem Saal im Gemeindezentrum betreut, bekommen auch ein Mitagessen.

Pater Miguel:
Eine beeindruckende Persönlichkeit. Ein belgischer Pater der Salvatorianer, eines in Deutschland gegründeten Ordens. Er ist 65 Jahre alt, seit 35 Jahren in Venezuela, Seele des Gemeindezentrums. Er hat sein Leben ganz in den Dienst der anderen gestellt, wobei sicher sehr viel positive, aber auch negative Erlebnisse auftreten, z.B. daß seine Gutmütigkeit ausgenutzt wird.
Es ist schön zu sehen, wie von allen Seiten, wo er auftritt,  ein frohes „hola padre“ zu hören ist. Die Menschen mögen ihn sehr, weil sie wissen, daß er für alle da ist. Andererseits schließt auch er sein Auto gut ab, obwohl er nur ein paar Meter weiter in einer Wohnung zu einem Hausbesuch ist.


Hauptziele des Paters
1) Bildung:
Sein vordringliches Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen, die aufgrund Geldmangels keine Schulbildung bekommen, an entsprechenden von Spenden finanzierten Schulen ein Grundwissen zu vermitteln. Wenn diese jungen Leute, von der Kirche unterstützt, sich einen entsprechenden Wissensstand angeeignet haben, werden sie den Slum verlassen können. Sie werden wohl nicht dorthin zurückkehren, werden sich aber mit ihrem Wissen eigene Existenzen aufbauen und von außen her den Slum unterstützen können.


2) Religiöse Betreuung:
In mehreren Gemeinden hält Padre Miguel regelmäßig Gottesdienste. Diese sind gut besucht, von herzlicher Verbundenheit in der Gemeinde geprägt. Auch die sonstige Gemeindearbeit ist intensiv, fürsorglich.


3) Menschliche Betreuung:
Hausbesuche durchführen, Mut zusprechen und trösten.


4) Finanzielle Unterstützung der Armen:
Sehr schwierig ist ihm die Aufgabe, die Bettler zu betreuen. Diese kommen dreimal am Tag (insgesamt ca. 70), stehen Schlange vor seiner Tür. Er gibt Ihnen etwas Geld. Da er sowieso 80 Prozent dieser Armen gut kennt, weiß er auch, wem er wieviel zu geben hat. Sein Grundsatz ist, jedem der kommt, etwas zu geben, wobei einige sehr wenig bekommen, andere mehr.


Mentalität
Man ist versucht, den Mitarbeitern vor Ort beizubringen, daß Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit bei unserer Arbeit wichtig sind.
Es wurde mir rasch bewußt, daß in diesem Land andere Werte zählen.


Trauer:
Es wird in Venezuela die Trauer ausgelebt. Es kommt im Sterbefall zu einem längerstündigen Zusammensitzen, bei dem man sich austauscht, die Trauernden mit einbeschließt und auch selbst an eigene Trauer denkt und verarbeitet.
 
Fröhlichkeit:
Insgesamt sind die Venezolaner ein fröhliches Volk. Bei der sehr netten, anrührenden Verabschiedung des deutschen Arztes im großen Mitarbeiterkeis wird getanzt, gelacht, gesungen.
In Caracas am Abend hat man trotz der unklaren politischen und wirtschaftlichen Situation  nicht den Eindruck, daß Venezuela notleidet. Das Nachtleben floriert. Das liegt aber auch an der Mentalität. Jammern steht erst an 2. Stelle nach der Fröhlichkeit. 


Hilfsbereitschaft:
Bei den Armen in Venezuela ist sie deutlicher ausgeprägt als bei uns, wohl auch aus Notwendigkeit heraus.


Großfamilie:
Der Familienzusammenhalt in Venezuela, insbesondere in den Slums, ist für das Überleben sehr wichtig. Es fällt auf, daß die Frau in diesem Gefüge stark und der Mann schwach ist. Frauen sind in leitenden Stellungen vorherrschend. Der Mann hat die Rolle einer Drohne. Ist die Frau erst mal schwanger, wird sie oft von dem Mann verlassen, der häufig in sein Elternhaus zurückkehrt. Die Frau – die Mutter - übernimmt dann die Erziehung der Kinder und auch den Zusammenhalt der Familie, soweit möglich. Nicht selten kommt es vor, daß die Kinder einer Frau verschiedene Väter haben. Einmal besuchten wir eine armselige Wellblechhütte, in der 5 Frauen wohnten. Ururgroßmutter, Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Tochter, letztere 2 Monate, die Mutter 13 Jahre.

Abschließend erhebt sich die Frage:
Was ist besser:  „Gesunde Armut oder kranker Wohlstand“?


Fragen:
Ist es nicht nur ein Tropfen auf einen heißen Stein?

Wir arbeiten nicht mit Steinen, sondern mit Menschen. Stellen wir uns vor, wir wären einer dieser Menschen. Wie dankbar wären wir für einen Tropfen Hilfe!
Weshalb haben wir es verdient, hier in Europa geboren zu sein und nicht zufällig dort im  Slum?


Fördert man nicht die Überbevölkerung auf der Erde?


Leben, das da ist, verdient absolut geschützt zu werden. Kinder sind bis zum 5. Lebensjahr besonders gefährdet. Danach ist es meistens geschafft. Daß damit zukünftiges Elend und zukünftige Not nicht beseitigt sind, wissen wir. Doch aus Respekt vor dem Leben, das geschenkt ist, helfen wir ihnen.
Natürlich bemühen wir uns auch um Geburtenplanung. Doch das Entscheidende ist, daß die Menschen das selber tun müssen. Und sie tun es um so eher, je mehr sie erfahren, daß ihre Kinder überleben. Das dauert erfahrungsgemäß aber ein bis anderthalb Generationen.


Autor: Eberhard Ohl

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